Wolfgang Döring hat nach seinem Studium im Architekturbüro von Egon Eiermann, danach bei Konrad Wachsmann, Paul Schneider-Esleben und dem Plastiker und Designer Max Bill gearbeitet. Schon diese Aufzählung zeigt, in welche Richtung sich Dörings Architekturauffassung entwickelte.

Im Alter von 30 Jahren eröffnete er 1964 in Düsseldorf ein eigenes Planungs- und Entwicklungsbüro. Relativ schnell wurde er in der 2. Hälfte der 60er Jahre zu einem der herausragenden bundesrepublikanischen Vertreter einer Architekturauffassung, die auf die neuen und erweiterten Möglichkeiten des industriellen und vorfabrizierten Bauens reagierte. So hat er z. B. ein vorgefertigtes, mit dem Flugzeug zu transportierendes Hospital für Libyen entwickelt und darüber hinaus Baulastensysteme für Schulen und Wohnhäuser, Kindergärten und Supermärkte. Er beschäftigte sich in dieser Zeit aber auch mit der Anwendung industrieller Fertigungsmethoden für konventionelle Materialien.

So entwarf er ein Haus mit einer komplett präfabrizierten Konstruktion aus Holzleimbindern auf dünnen Stahlstiften, für das sämtliche Wände und Böden in der Fabrik hergestellt wurden, schon dort versehen mit den notwendigen Installationen. Vor Ort konnte dann dieses Haus in kürzester Zeit errichtet werden. Nach Fertigstellung bleibt es gleichwohl demontierbar.

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Mit Verfahren einer Systemforschung, wie sie in den Entwicklungsabteilungen der Industrie konzipiert wurden und üblich sind, hat Döring so neue Verwendungsmöglichkeiten von Kunststoff, Stchl und Holz untersucht. Seine Leichtbausysteme charakterisiert eine wesentliche Gewichteinsparung gegenüber konventionell errichteten Bauten, so daß sie von 2 Arbeitern ohne Schwierigkeiten umzusetzen, zu stapeln, zu montieren und zu demontieren sind.

Neben dieser Entwurfsarbeit ist Döring auch durch zahlreiche Publikationen und Vorträge über industrialisiertes Bauen hervorgetreten; sein Buch "Perspektiven einer Architektur" nahm bereits 1970 engagiert Stellung für ein Bauwesen, das an die technischen Standards der Gegenwart Anschluß finden sollte.

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S.118